Die LAndnahme und das Territorium der Horde am Strand

Das Verhalten von Strandbesuchern, zumal wenn Architekten unter ihnen sind, entscheidet sich vielleicht gar nicht so sehr von der ersten Landnahme archaischer Völker. Die sogenannten Nuraghen auf Sardinien beispielsweise mit Tausenden urtümlicher Turmreste einer untergegangenen Kultur (1855 - 283 v. Chr.) weisen in ihrer Ortswahl und der Baustruktur gewisse Parallelen mit der immer wieder vollzogenen Landnahme beim Gang zum Strand auf: Es sind die gleichen Schritte, die getan werden müssen, um aus einer Landschaft am Meer ein - zumindest temporäres - Zuhause zu schaffen, ein Territorium für die Familie, den Stamm, die Horde.

1. Die Platzwahl - Die Ortswahl wird zumeist durch die Mutter, die Weise, Älteste durchgeführt. Shelter und Platzwahl an der Grenze von Wasser und Land. So, dass der Blick unverstellt auf Wellen und Horizont bleibt.

2. Der Grundstein und das Dach - Die "Pflockung", die Mitte, der Grundstein wird festgelegt: Durch das Eintreiben des Pflockes bzw. des Sonnenschirms wird ein Ort erst gebildet, wird manifest, gerahmt, in Besitz genommen ("Phallischer Kult des "Augurs" als Zeremonie). Das Dach bzw. der Schirm bringt Kühle und Schatten.

3. Das Territorium - Die Lichtung, das Forum, der Rat- und Sammelplatz der sesshaften Gesellschaft ist definiert und wird bewohnt. 

4. Das Hab und Gut - Die Besitztümer, Marketenderware, wird am Fuße des Schirms bzw. der "Nuraghe" gelagert: Öle, Brot, Buch, Tuch, einfaches Werkzeug.

5. Erweiterung - Jugendliche "Vorposten", weitere kleine "Nuraghen" erweitern raumgreifend das ursprüngliche Territorium, um such dann wieder zurückziehen, mal der Sonne ausgesetzt, dann wieder im Schatten. 

 

Zeichnung und Fotos: Markus Stenger