Gläserne Wände, nicht Decken

Technische Gläser ermöglichen immer erstaunlichere Dinge.

In Innenräumen von großflächigen Büros setzen wir leichte Glastrennwände ein, um akustisch abgetrennte Bereiche zu schaffen. Visuell bleibt der gesamte Raum trotzdem spür- und sichtbar.

Wie der Mensch auf das Phänomen reagiert, andere beim Sprechen zwar zu sehen, aber nicht hören zu können, beschäftigt uns.

Ist es eine bloße Frage der Gewohnheit oder der Bereitschaft, sich auf diese neue Erfahrung einzulassen oder widerspricht es dem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen ganz grundsätzlich?

Prof. Dr. Ulrich Schanda, Experte in Sachen Schallschutz und Raumakustik an der Hochschule Rosenheim, deutet an, dass die Erfahrung, zwar visuell eingebunden, aber dennoch deutlich getrennt von den Inhalten zu bleiben, zumindest anfänglich sehr irritierend sein kann. Man erfährt, wer mit wem zusammensitzt. Gestische und mimische Signale und Stimmungen dringen  nach außen, trotzdem bleibt man ausgeschlossen.

Dr. Andreas Liebl vom Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart betreibt Forschungen zu Fragen der Behaglichkeit von Räumen:

"Der Raum mit seinen thermischen, akustischen, olfaktorischen und beleuchtungstechnischen Parametern steht im Fokus der ergonomischen Betrachtungen, die Bauphysik und Psychologie miteinander verknüpfen, um die vielschichtigen Wechselwirkungen der gebauten Umwelt auf den Menschen zu erforschen."

Der Einfluß der akustischen Faktoren am Arbeitsplatz ist enorm. Üblicherweise hat man damit zu kämpfen, daß zu viel Schall als Lärm wahrgenommen wird und beim Arbeiten stört. 

Daß aber auch zu wenig Schall stören kann, ist in Fachkreisen längst bekannt.

Zu wenig Schall - zu viele Geheimnisse?

Dr. Liebl beschreibt das Ziel seiner Forschungsarbeit: "Meine Idealvorstellung für Menschen in Räumen ist das Gefühl des völligen Aufgehens in der augenblicklichen Tätigkeit. In der Psychologie steht für diesen Zustand der Begriff »Flow«."

Umgebender Raum, mit all seinen Grenzen, Einschränkungen, Auswirkungen, steht aber allzu oft zwischen uns und diesem "Flow".

 

Dr. Andreas Leibl, IBP

Prof. Dr. Ulrich Schanda, Hochschule Rosenheim

 

P.S. 

"Auch Sie können als Proband an den wissenschaftlichen Untersuchungen mitwirken. Bei Interesse senden Sie bitte Ihre Kontaktdaten unter dem Betreff »Probandenpool« an andreas.liebl@ibp.fraunhofer.de. Sie werden dann in den potentiellen Teilnehmerkreis aufgenommen und über den konkreten Inhalt, die Dauer und die Vergütung bevorstehender Untersuchungen im Vorfeld informiert."

 

 (jb)