Abb. 1 Becher des Pharao Tutmosis III., um 1500 v. Chr. frühestes bekanntes Hohlglas, türkis mit gelben Auflagen, Foto: Ägypt. Staatssammlung München; Abb. 2 Delphinfläschchen, Badeölfläschchen zum Umhängen, Askalon; Abb. 3 Amphoriskos Ptolemäerzeit Ägypten; Abb. 4 Oenochoe, Henkelkanne dunkelblau, Ptolemäerzeit Ägypten
Abb. 13 Spitzbecher, vermutlich für Wein, Rhein 5. Jhd. nach Chr., Foto: Brit. Museum London; Abb. 14, Spitzbecher, vermutlich für Met, Rhein 5. Jhd. nach Chr. Foto: Univers. Museum Oslo; Abb. 15 Nuppenbecher, Frankreich, 13./14 Jhd., Foto: Paris Louvre; Abb. 16 Gestauchte Flasche, 14./15. Jhd., früheste Vorkommen auf einem Bild von Jan van Eyk 1433, Foto: Victor and Albert Museum, London
Abb. 17 Krautstrunk, mit traditionellem Nuppenzierat, sehr beliebt im 15.-17 Jhd., Foto: Heiligkreuz-Stift bei Wien; Abb. 18 Paßhumpen, in einem Zug zu Leeren, frühes 16. Jhd. Höhe 23,4 cm; Abb. 19 Mainzer Domkapitelglas, 1617, aus Verehrung für den Erzbischof Johann Schweikard von Kronberg
Abb. 26, Kanne aus Achatglas, Venedig, frühes 16. Jhd.; Abb. 27, Venezianische Gläser, 17. Jhd. "á la faon de Venise" Fadenglas
Abb. 34-36 Geschnittene Pokale 18.Jhd von berühmten Glasschneidern: Heinrich Schwanhardt, Foto: Bayer. Nationalmuseum, G.E. Kuncke und Jacob. Sang, Foto: Metropolitan Museum N.Y.; Abb. 37 Deckelbecher mit Puttendekor von Gottfried Spiller, frühes 18. Jhd.; Abb. 38 Konfitürenschälchen mit Gartenlanschaften Schlesien um 1745, Foto: Bayer. Nationalmuseum

Das Lexikon des alten Handwerks Nr. 003: Die Glaskunst

Glas ist kein "festes" Material, sondern eine "bei normaler Temperatur erstarrte Ineinanderlösung von Kielselsäure (Sand) und zwei Flußmitteln" (Natron oder Kali und Kalk), erklärt Ludwig F. Fuchs, Autor des Büchleins "Die Glaskunst im Wandel der Jahrtausende" gleich zu Beginn.
Daß Gläser in Bewegung sind, weiß jeder, der durch alte Einfachverglasungen geblickt hat. Das Fließen ist nicht aufzuhalten, solange es die Schwerkraft gibt.

Wenn man über Glas spricht, muß zwischen Glas als (Bau)Material und dem sog. "Hohlglas", das als Schale, Trinkbecher oder Pokal dient, unterschieden werden. Das hier vorgestellte Büchlein handelt von letzterem.

Dem Hohlglas liegt ein interessanter zwitterhafter Charaktakter zugrunde: Es bietet einen praktischen Nutzen wie Trinken und Aufbewahren, zugleich aber dient dieses funkelnde, farbige, zerbrechliche Objekt der Begierde als Schmuck, Dekoration, Grabbeigabe und Sammlungsobjekt.

Der römische Kaiser Nero (37 - 68 n. Chr.) soll ein fanatischer Glassammler gewesen sein. Einer Legende nach habe der Neid auf Neros Kostbarkeiten sogar seinen Freund und Berater Titus Petronius (14 - 66 n. Chr.) in den Selbstmord getrieben. Vor seinem Tod soll er noch eine kostbare Schöpfkelle zerbrochen haben, damit sie Nero nicht bekäme.

Fuchs empfiehlt bei Interesse an der Glaskunst, die Originalstücke kennenzulernen. Aus Büchern und Bildern sei es ebenso wenig möglich, eine richtige Vorstellung zu gewinnen, wie bei anderen Kunstgegenständen auch. 

Originake betrachten kann man beispielsweise im Bayerischen Nationalmuseum tun: Dort befindet sich eine bedeutende Glassammlung mit Objekten aus der Spätantike bis zum Jugendstil. 

 

Ludwig F. Fuchs: Die Glaskunst im Wandel der Jahrtausende, Franz Schneekluth Verlag Darmstadt 1956. Erschienen in der Serie "Wohnkunst und Hausrat/Einst und Jetzt" herausgegeben von Heinrich Kreisl: Band 25

 

(jb)