Möbel Haus und Wohnung (1955)

Das kleine aber umfangreiche Buch "MÖBEL HAUS WOHNUNG", 1955 erschienen, wurde mit viel Verve geschrieben, ist unterhaltsam, klug und gut recherchiert. Vor allem beweist es wieder einmal, wie erhellend und ästhetisch anregend das Studieren von Original-Quellen sein kann.

Zunächst wird eine umfassende Übersicht über die Geschichte des Möbels und des modernen Wohnhauses - aus Sicht der 50er Jahre - geboten. Es folgen sehr konkrete und durchaus differenzierte Planungs- und Einrichtungsratschläge gegeben, z.B. zum Thema "Antik oder modern?", wo es heißt: "Echte Dinge vertragen sich, sie haben gewissermaßen eine Verhandlungsbasis, ein Niveau, auf dem sie beide leben, auch wenn sie verschiedene Sprachen sprechen."

Frisch, kompakt und authentisch wird die Gestaltungsphilsophie und Materialästhetik der 50er Jahre so verständlicher. Geradezu logisch erscheint nun plötzlich, daß Küchen nicht größer als unbedingt nötig sein sollten, nämlich im Mittel 6 - 9 m, daß die kompakten Wohnungen mitten im Grünen liegen sollen, so daß der Stadtmensch die "heilende Kraft der Sonne" täglich genießen kann, was in den "alten, eingebauten, häßlichen Altbauvierteln" nicht in dem Maße möglich war. Weshalb man den schweren Naturstein mied und statt dessen leichte, filigrane Profile, großflächige Fenster und sparsame Querschnitte verwendete. Warum allerorten Wandschränke und künstlich hergestellte und furnierte Materialien so beliebt waren.

Von Naturholz hielt man damals nicht viel: "Das Holz, das wir brauchen, machen wir uns selbst, in seiner inneren Zusammensetzung vollendet gleichmäßig, gänzlich unbehaftet von den Säften und den Kräften der Schöpfung, unbeeinflußbar gegen alles. (...) Wir haben die Maschinen, die Chemie, die Gehirne und einen Rest Natur dazu." 

München verfügt über einige Beispiele qualitätvoller Architektur aus dieser Zeit, die Maxburg von Sep Ruf und Theo Pabst allem voran, daneben Mehrfamilienhäuser in Schwabing an der Elisabethstraße  in der Hiltenspergerstraße und am Hohenzollernplatz (Hans Schedl), das Ensemble zwischen Richard-Strauss Straße und Steinhauser Straße von Sep Ruf, die Siemens-Siedlung von Emil Freymuth u.s.w.

In die bayerische Denkmalliste (stets aktuell im BayernViewer Denkmal!) sind allerdings bisher nur wenige Bauten der 50er Jahre aufgenommen worden.

In Zukunft wird man sich zunehmend  mit diesen Gebäuden beschäftigen (müssen). Einen O-Ton findet man in diesem aufschlußreichen Büchlein.

 

 

Schondorff, Erica (Hrsg.): Möbel Haus Wohnung, München 1955

Nerdinger, Wilfried und Meissner, Irene Architekturmuseum TU München (Hrsg.): Sep Ruf, München 2008

Bode, Peter M.: München in den 50er Jahren. Architektur des Wiederaufbaus am Beispiel von Hans Fries, München 1992

 

(jb)