Hotel am Friedrichwerderschen Markt - Diplomarbeit von Jörg Siegert

Auszüge aus dem Präsentationsheft der Diplomarbeit
Lageplan
Ansichten
EG
OG 1-3
OG 2-4, DG
Längsschnitt
Fassadendetail

"Aufgabe dieser Arbeit war es, ein Hotel am Friedrichwerderschen Markt in Berlin zu entwerfen. Die leitende städtebaulichen Entwurfsidee war dabei, ein Haus an dieser prominenten Stelle zu schaffen, welches über den funktionalen Zweck des Bau selbst hinauswirken kann.

Wichtig war es, eine klare Kante zum Friedrichwerderschen Markt bzw. zur Französischen Straße zu definieren. Die gegeben Strukturen an der Nahtstelle zwischen Friedrichstadt und Berlin-Mitte waren entwurfsbestimmend. (...) Durch das Abrücken des Baukörpers im Norden auf die Apsiskante der Friedrichwerderschen Kirche ist es möglich, einen neuen Platz zu schaffen. Die Kirche wird somit an ihren markantesten Stellen, den Türmen und der Apsis, frei auf den Platz gestellt. Durch eine Kolonnade als öffentlich verbindendes Element erlangt der Platz eine räumliche Verbindung zum Friedrichwerderschen Markt.

Ausgangspunkt für den Entwurf des Hotels waren die unterschiedlichen Anforderungen an räumliche und funktionelle Strukturen. So orientiert sich der öffentliche repräsentative Bereich nach außen, während in den nach innen gerichteten Zimmergeschossen die nötige Ruhe gewährleistet werden kann.

Außerdem werden Räume für "interne Öffentlichkeit" benötigt wie Konferenz- und Wellnessbereiche. Orte also, an denen viele Menschen zusammenkommen, aber dennoch ihre Ruhe finden sollen. So ergibt sich eine Dreifachgliederung in Form eines Mäanders.

Vertikal gliedert sich das Hotel ebenfalls in drei Schichten. Das Äußere, sich im wesentlichen aus den Stadträumen ergebende Volumen zeigt eine gewisse Normalität des Hotels - darin befinden sich Empfang, Restaurants, Gästezimmer etc.

Der Leerraum im Inneren des Baukörpers wird als "Tiegel" begriffen. Dieser "Tiegel" wird ausgegossen mit dem emporstrebenden repräsentativen Bereich des Hotels, der Halle. Diese Halle bildet einen autonomen Körper im Inneren des Hauses. Durch die vertikale Struktur der Halle wird es möglich, die Öffentlichkeit und die private Atmosphäre der Zimmer zu trennen und gleichzeitig Sichtbezüge zu schaffen. Zwischen Form und Gegenform ergibt sich durch das Weglassen des Tiegels ein Bereich, der zwischen oben und unten, laut und leise, innen und außen, öffentlich und privat vermittelt. Diese Zwischenzone nimmt die Erschließungsfläche auf, so daß die Halle in ihrer Eigenständigkeit erhalten bleibt."

 

FH Potsdam, FB Architektur und Städtebau bei Prof. Klaus Theo Brenner und Prof. Antina Gaenssler, Winter 2000

"Alles ist Entwurf"

Ich habe sehr gute Erinnerungen an meine Diplomarbeit: Sich 3 Monate ausschließlich auf ein Projekt zu konzentrieren, Varianten auszuprobieren, nach neuen Lösungen zu suchen. Das Projekt wachsen zu sehen. Zeit, die wie ich meine, den Projekten anzusehen ist. Die Zeit war notwendig und es war gut, eine eigene Haltung zu entwickeln. Für mich das eigentliche Ziel des Studiums.

Herauszufinden, was man will und was nicht.

Heute im Alltag muss es schneller gehen, Entscheidungen auf der Baustelle oft sofort getroffen werden, damit die Arbeiten nicht stocken. Manchmal muß ich da an den Satz meines Professors Bernd Albers denken: "Alles ist Entwurf". Jede Entscheidung hat Auswirkungen, ob Fundament oder Sockelleiste.

Ich bin froh, bauen zu können, zu sehen wie nach und nach aus dem fiktiven Projekt reale Räume enstehen. Ja, und den Beton zu riechen. Bauen ist echte Teamarbeit. Gute Handwerker sind dabei enorm wichtig, ohne sie geht es nicht. Konflikte und Schwierigkeiten auf dem Weg sind da normal und notwendiger Teil der gemeinsamen Lösungsfindung.

Termine, heute oft DER Knackpunkt. Wenn ich daran denke, daß beim Diplom allein die Papierauswahl für die Pläne mehrere Tage dauerte... Oder sich die Zeit zu nehmen, die  Broschüren selber zu binden. Eine Freude für mich, auch heute noch über 10 Jahre später, darin zu blättern und auch die haptische Qualität zu spüren - eine tolle Zeit. 

 

js