Lexikon des alten Handwerks Nr. 006: Der Schlittenbauer

In diesen Tagen wünscht man sich einen solch herrlichen Schlitten wie ihn Albert Wagner noch fertigen kann. Ein kräftiges Pferd davor gespannt und dann ab durch den Schnee kutschiert...!

In der Reihe "Der Letzte seines Standes?" des BR wurden bereits etwa 66 Handwerksberufe porträtiert, filmische Dokumentationen von Kulturtechniken, die im Aussterben begriffen sind, darunter Kalkbrenner, Seiler, Strohdachdecker, Schleifsteinhauer, Köhler oder eben Schlittenbauer. Selbstverständlicher Teil unseres Alltags sind sie schon längst nicht mehr.

Der 74-jährige Schlittenbauer Albert Wagner, ein "Wagner", also Wagenbauer, aus dem Bayerischen Oberland, baut aus einem natürlich krumm gewachsenen Eschenstamm in etwa 50 Arbeitsstunden einen stabilen Schlitten. So ein Schlitten hält gut und gerne 50 Jahre. 

Albert Wagner beim Schreinern, Hobeln, Drechseln und Hämmern zuzusehen, ist eine Freude. "Es ist immer wieder verblüffend, wie unter der Hand eines solchen Meisters – besonders im Wagnerhandwerk – in großen Bewegungen und in erstaunlich kurzer Zeit aus einem groben Stück Holz ein vollendetes Objekt entsteht. Aber natürlich nur, wenn da jeder Griff sitzt, die Arme und Hände zu einem Bewegungsablauf fähig sind, wie er sich erst nach langer Praxis einstellt.", so einer der Regisseure der Reihe Benedikt Kuby.

Obwohl Wagner ursprünglich Lehrer werden wollte, zieht er heute eine positive Bilanz seines Berufslebens: Es hat ihm "a Freud g'macht".

Seine Frau Anna steht dem Schlittenbaumeister stets helfend in der Werkstatt zur Seite und das nicht ungern. "Anna - mußt heifn komm'!", ertönt der Ruf, und Anna kommt flink um die Ecke - barfuß. "Oins hat er net gern gsehn, wenn i barfuß in d Werkstatt komma bin. Mei, I bin hoit a soach oianer Mensch, der gern barfuß läuft - und des tu i heut no."

Im Denkmalschutz und im privaten Bausektor werden alte Handwerkstechniken und traditionelle Baumaterialien wieder vermehrt geschätzt. Allerdings tragen diese Dienstleistungen heute oft den Nimbus des außergewöhnlichen, ja Luxuriösen. Auf den ersten Blick scheint die Investition in diese Techniken und Materialien hoch. Auf den zweiten Blick zeigt sich dann aber häufig, dass sich gut gemachtes Handwerk nach wie vor lohnt. Dass man eine gute saubere Arbeit ablieferte, war jedenfalls Ehrensache: "Wenn ois nur so lang haltn wüad wiad der Schlittn, des war a Katastrophn. Des muss ja kaputt wern, sonst tut ja die ganze Wirtschaft net floriern. Aber i mach do net mit. I mach mei Arbeit wie oiwa, ordentlich und sauba, wie mans bis jetzt oiwa gemacht hat im Handwerk.", meint Albert Wagner.

 

Hier die bescheidene Sammlung "Lexikon des alten Handwerks" auf S2LAB: Schmiedeeisen,  Das Kerbschnitzen, Die Glaskunst, Bundwerkstadl und Keramik.

 

Die Sendereihe "Der Letzte seines Standes" in der Mediathek des BR

Regisseur Rüdiger Lorenz 

Benedikt Kuby Filmproduktion

Filmstills aus "Der Schlittenbauer aus dem Oberland", Bayerisches Fernsehen, 29.12.2014