Rückblick Nachtschicht: DER NEUE GASTEIG - Die Lösung von Stenger2 Architekten

Am vergangenen tropisch-heißen Freitagabend öffnete Stenger2 die Bürotüren: Neben "echten Architekten zum Anfassen" gab es eine Konzertsaallösung zu sehen, die sich nicht verstecken will - Ein Ausrufezeichen am Hochufer!

Auf muenchenarchitektur.com können ab sofort alle Ergebnisse des Ideenwettbewerbs angesehen werden + Publikumsvoting.

Demgegenüber wurden dann "WIRKLICHKEITEN" präsentiert.  Alle aktuellen Bauprojekte zeigte man auf schlichte und dennoch sehr komplexe Weise. Jeder Mitarbeiter stellte "ungeschönte" Ausschnitte aus der Werkplanung seines Projektes. Bei allen guten Ideen, liegt der Teufel ja bekanntlich im Detail!

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DER NEUE GASTEIG  

"...einen Hohlweg, der auf eine Anhöhe/ besonders ein hohes Flussufer führt;/ sodann diese Anhöhe, das Flussufer selbst/ worüber ein solcher Weg führt. ..."

(Heinrich August Noë, 1871, Schriftsteller, geboren in München, über den Gasteig)

 

König Max II. hat sich vom großartigen Städtebau Ludwigs I. abgewendet. Der Sohn wollte aus dem Schatten des Vaters ins Licht - dazu drehte er die städtischen Hauptachsen um und erfand den neuen „Münchner Osten“. Zu einer Zeit, als Bogenhausen noch lange nicht, die Au, Giesing und Haidhausen gerade erst offizieller Teil von München waren.

Weitblick. Nicht nur vom Hochufer und des Königs Athenaeum, auf die eng und engstirnig gewordene Stadt, sondern über den Rand der Stadtgrenzen hinaus. In die Zukunft.

Zusammen mit seinem Architekten Friedrich Bürklein erschließt der König das Münchner Hochufer. 1857 gibt er den Bau des Maximilianeums in Auftrag. 1890 setzt der gute Prinzregent Luitpold die Vision des Königs zum Bau der Prinzregentenstrasse und des Friedensengels um. Großartige Signale der Stadterweiterung: Über die Prachtstrassen, die neuen Isarbrücken und die Monumente des Hochufers wurde Stadt mit der Vorstadt regelrecht vernäht.

Aus dem Osten kommend wird die Überwindung des Hochufers über die großzügigen Rampen ein dramaturgisch inszeniertes Erlebnis. Monument und Brücke wurden jeweils neue Tore zur alten Stadt. Aus der Stadt wiederum blicken Bürger auf die neuen Monumente wie auf die Leinwand eines Gemäldes und bemerken dadurch erst das Hochufer des Flusses und den Fluss selbst. Wie griechische Tempel sind die Bauwerke in die steile Landschaft gemalt.

1978 erfolgt durch den OB Georg Kronawitter der Spatenstich zum Bau des Gasteigs als Kunst- und Kulturzentrum für ganz München. Ein wichtiger Schritt - am richtigen Ort. Mit den falschen Mitteln.

Was für Bogenhausen der Engel, für Haidhausen das Maximilianeum, sollte für die Au und Giesing der „Gasteig“ sein. Ist er aber nicht. Und das liegt nicht an der Lage. Es liegt daran, dass er sich geradezu krötenhaft verschreckt duckt, wo er sich doch bemerkbar machen müsste! Daran, dass er innen wie außen zu klein ist, nicht zu sehen ist, von der Stadt aus. Daran, dass er ein schweres Ziegelkleid trägt, aus einer Zeit, die abgelaufen ist.

Der Gedanke, ein Haus für viele zu schaffen und ein Haus für Buch und Musik, ist wunderbar. Deshalb ist die Entscheidung des Landtags 2015 für eine Sanierung des Gasteigs gut gemeint. Sie reicht aber nicht.

Ein neues Haus muss her. Ein großes, weltstädtisches Konzerthaus anstelle eines Saals! Keine „Stadt“bibliothek, sondern eine „Landes“bibliothek. Ein Fingerzeig, der aus der Mitte der Stadt zu sehen ist. Ein Haus für Bayern und die Welt, nicht nur für die Münchner. Ein Haus das grösser ist als ein Bürogebäude. Um Himmelswillen keine Elb-Isarphilharmonie, sondern ein Haus zu dessen Stadtterrasse man über die Isarparks flanieren kann.

Der alte Gasteig ist unsanierbar. Er muss weg. Der neue Ort für den neuen Gasteig muss der alte sein. Malen wir weiter auf der Leinwand des Hochufers:

Einen neuen, gebauten „gachen“ Steig. Ein großes, ein sichtbares Haus. Ein hohes Haus.

Im Osten gibt‘s bald was Neues.

Den neuen Gasteig.

 

ms