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Antony White und Bruce Robertson: Baustilkunde. Die abendländische Architektur und ihre Ornamente. Mit über 900 Detailzeichnungen und 1500 Begriffserläuterungen, München 1992, S. 10-11
Antony White und Bruce Robertson: Baustilkunde. Die abendländische Architektur und ihre Ornamente. Mit über 900 Detailzeichnungen und 1500 Begriffserläuterungen, München 1992, S. 12-13
Antony White und Bruce Robertson: Baustilkunde. Die abendländische Architektur und ihre Ornamente. Mit über 900 Detailzeichnungen und 1500 Begriffserläuterungen, München 1992, S. 34-35
 

"Wirklichkeiten" im klassischen Gewand

Anlässlich der "Nachtschicht" zeigten Stenger2 Architekten kürzlich "WIRKLICHKEITEN": Ausschnitte aus Werkplänen aktueller Bauvorhaben des Architekturbüros. Im Gegensatz zu visionären Architektur-Wettbewerbsbeiträgen, die so bunt und unverbindlich wie möglich sind, wurde die "nackte Wahrheit" präsentiert. Werkpläne, vollgepackt mit vielen, wenn auch längst nicht allen, Informationen, die ein Architekturlaie normalerweise nie zu sehen bekommt. Hier wird das Bauen konkret, Dimensionen, Materialien, Abstände sind verbindlich.

Die Ästhetik dieser Werkpläne -schwarz-weiß, nüchtern, zweidimensional, ohne Stimmungsbildchen (Mood! Emotion!) und Menschengruppen (Maßstab!Mood! Emotion!)- wirkt streng, klassisch und seriös. Mehr Sein als Schein!

Bewusst zitierten Stenger2 diese formalisierte Darstellung mit ihrem klassischen Eindruck. Vorbilder waren Klassiker der Architekturliteratur und -illustration wie die "Sieben Bücher zur Architektur (Sette Libri d'architettura) von Sebastian Serlio (1475-1554) oder Darstellungen der École des Beaux-Arts. Bis heute werden bauhistorische Bücher mit dieser Art von Zeichnungen ausgestattet (s. links Darstellungen aus "Baustilkunde").

Mit der einheitlichen Darstellung von Bau(teilen) wird eine Vergleichbarkeit erreicht, die es in der frei gewählten Präsentation bei Wettbewerben so nicht gibt. 

Bei den "Wirklichkeiten" ging es um ein Spiel mit dieser vertrauten Ästhetik und den damit kontrastierenden Inhalten. Die vorgestellten Bauprojekte behandelten ja keineswegs allgemeine Typen oder Musterarchitekturen, wie es Ziel in den historischen Darstellung war: Säulenordnung, Portale, Fenster, Schulen und Rathäuser etc. Bei den "Wirklichkeiten" von Stenger2 Architekten wurden jedoch individuelle Bauten vorgestellt. Der Umbau einer Bäckerei zu einer Kindertagesstätte, die Aufstockung einer Turnhalle, der Umbau eines Bürogebäudes zu einem Boardinghouse, der Umbau eines ehemaligen Heizkraftwerks, ein Dachgeschossausbau, allesamt ortsspezifische und einzigartige Bauvorhaben. Wirklichkeiten eben.

 

Sebastiano Serlio: Von der Architectur Fünff Bücher. (Deutsche Übersetzung von 1609) 

Darin[n] die gantze lobliche vnd zierliche Bawkunst, sampt den Grundlegungen und Auffzügen manigerley Gebäuwen, vollkomlich auß den Fundamenten gelehrt, und mit vielfeltigen Exemplen und Kunststucken, Antiquen und Neuwen, gantz deutlich erklert wirdt (...), digitalisiert von der Uni Heidelberg

Antony White und Bruce Robertson: Baustilkunde. Die abendländische Architektur und ihre Ornamente. Mit über 900 Detailzeichnungen und 1500 Begriffserläuterungen, München 1992

Riklef Rambow: Experten-Laien-Kommunikation in der Architektur. Münster 2000