Westendstraße : Rückseite der Augustinerbrauerei, die letzte große Stadtbrauerei. Sie befindet sich seit 1828 zwischen Landsberger Straße und Westendstraße.
Dicht bebautes Wohnviertel, sogeannte "offene Bauweise". Die älteste Wohnbebauung im Westend
Als Inspiration diente dem Politaktivisten NoName eine alte Streichholzschachtel mit der Aufschrift „Sturm“, die der Künstler bei seinem letzten Besuch in München auf einem Spielplatz im Innenhof des Gebäudekomplexes an der Westendstraße 99 auf dem Boden fand.

http://www.positive-propaganda.org/positive-propaganda-x-noname-pp1i32.html
Westendstr. 66a: Multikulturelles Jugendzentrum aus den 1970er Jahren
Westendstr. 74 a-d, Nachverdichtung: 25 Wohneinheiten in vier dreigeschossigen Neubauten, 2012 der Wohngenossenschaft FrauenWohnen e.G.
Westend-/Ecke Astallerstraße
Zentral gelegen, charmant, grün - Die Westendstraße zwischen Trappentreutunnel und Bahnunterführung wird immer beliebter.
Westendstr. 155, Katholische Kirche Maria Heimsuchung, 1934 fertiggestellt, Architekten: Oswald Eduard Bieber (Park Café Alter Botanischer Garten) und Wilhelm Hollweck, die auch das Gebäude der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft in der Königinstraße entwarfen
Eingangssituation der Kirche
Bürogebäude aus den 1980er/90er Jahren säumen die Westendstraße südlich der Bahnunterführung, darunter TÜV SÜD, Hotels u.s.w.
Westendstraße 174, Landmarke? Hochhaus mit Seniorenresidenz
Die letzte Fassfabrik: Wilhelm Schmid Fässer und Fassanlagen seit 1914, in der Straubinger Str. 34
Die MVG zieht ihren Busbahnhof in ein neues Gebäude nach Moosach - auf dem 8,6 Hektar großen Gelände soll ein neues Stadtviertel mit mindestens 850 neuen Wohnungen, Schulen, Geschäftshäusern und Grünanlagen entstehen, Baustart frühestens 2019. Momentan werden Flüchtlingsunterkünfte gebaut. Offiziell gehört das zu Laim!
Kleingartenanlagen soweit das Auge reicht, hier der Weg zum Vereinsheims-Gastwirtschaft "Kastaniengarten" der Bahn-Landwirtschaft München-West. Um 1913 begannen die Bahnler mit Rodungen und brachten Ackerboden für die Gärten.
Kurz vor dem Ende de Westendstraße
Das "Winklstüberl, das Vereinsheim des Kleingartenvereins München Süd-West 12 e.V wurde 1920 als "Gartenwärterhaus mit Bierabgabestelle" erbaut, in den 1960er Jahren folgte dann der aAusbau zum rustikalen Wirthaus
Theodor Fischers Generalbaulinienplan für Laim vom 10.12.1894, die Westendstraße iwird bereits angedeutet im östlichen Stadtteilgrenzbereich
Um 1850 gab es nur etwa 50 Gebäude in der Nähe des Haderer Weges, der später in Westenendstraße umbenannt wurde.
Stadtkarte von 1891, Stadtarchiv München, zeigt den oberen Bereich der Westendstraße: Die gestrichelten Linien zeigen die Planungen für den "malerischen Straßenbau" nach Theodor Fischer und Wilhelm Rettig, die im Großen und Ganzen so realisiert wurden.
Das große Gebäude auf der südlichen Seite ist die Gummifabrik Metzeler. An der Barthstraße befand sich das Tramdepot.
Die Donnersbergerbrücke ist noch ein schmaler Eisensteig.

Westendstraße, die Straße in der wir jetzt arbeiten...

Nach zwölf Jahren in der Donnersbergerstraße in Neuhausen wagte Stenger2 im April den Schritt und zog mit Sack und Pack über die Donnersbergerbrücke in die Westendstraße. Über die Bahngleise hinweg, die flussartig die Stadtteile Neuhausen und Westend trennen, und die zu überwinden es immer ein wenig Überwindung braucht.

In den neuen Büroräumen Westendstraße 170 haben die Architekten dann auch gleich den Innenausbau der Büroräume selbst übernommen: Böden, Möbel, Trennwände, Teeküche, Bad und WC – alles neu. Das Split-level Gebäude selbst stammt aus den frühen 90er Jahren und wird derzeit von Stenger2 zu einem Boardinghaus umgebaut.

 

Wie sind denn die neuen Nachbarn?

Wer lebt und arbeitet hier in der Westendstraße? Und wie sah es vor 100 Jahren aus? Die Westendstraße ist eine der längsten Straßen Münchens. Sie befindet sich im Stadtteil Schwanthalerhöhe-Westend, einem der am dichtesten besiedelten Stadtteile. Die Westendstraße führt vom Europäischen Patentamt und der Oktoberfest-Fußgängerbrücke in südwestlicher Richtung bis kurz vor den Westpark. Benannt ist sie nach ihrem Verlauf zur westlichen Stadtgrenze hin.

Die Westendstraße hieß früher Haderer Weg, wegen des Zielortes Hadern. Der Haderer Weg war einst ein wichtiger Handelsweg, der die unbesiedelte Sendlinger Haid‘, eine Heide und Viehweide, durchzog und dann nach Süden abbog.

Eine eiszeitliche Kiesschicht mit einer dünnen Schicht Mutterboden und niedrigem Grundwasserspiegel befindet sich darunter, für den Anbau von Getreide und Gemüse eher ungeeignet.

Entlang der Westendstraße lässt sich Münchner Stadtgeschichte ab dem 19. Jahrhundert gut nachverfolgen. Einen mittelalterlichen Stadtkern sucht man jedoch vergebens. Das Westend ist das Ergebnis der Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, das man in der Innenstadt Münchens vermeiden wollte.

Die Besiedelung begann um 1800, als die ersten Münchner Bierbrauer dort Grundstücke kauften, wo sich heute die Theresienhöhe befindet, um die ersten Großbrauereien zu errichten.

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke nach Augsburg 1840 nahm die Bautätigkeit dann erst richtig Fahrt auf. Es siedelten sich beiderseits der Bahnlinie Gewerbe- und Industriebetriebe an, Brauereien, Fassfabriken, Speditionen, Abfallentsorger, Reifen- und Gummiwerke und vor allem Produktionsstätten der Eisenbahngesellschaften.

Um die Arbeiter möglichst nah unterzubringen, wurden im Westend Arbeiterviertel mit stark verdichteter Blockrandbebauung errichtet. Die ersten 250 Gebäude baute man im „offenen System“, d.h. zwischen zwei drei- bis viergeschossigen Gebäuden befinden sich offenen Tore. Im Hinterhof gibt es niedrigere Rückgebäude für Kleingewerbe und Handwerker.

Für Investoren war der Wohnungsbau für die Arbeiter finanziell jedoch nicht sonderlich interessant. Um die verheerende Wohnungsnot zu mildern, setzten sich Gewerkschaften, linke Parteien und auch Vertreter der Konservativen für den Genossenschaftswohnungsbau ein. Gesetzliche Regelungen, Steuererleichterungen und Finanzdarlehen führten dann um die Jahrhundertwende zu einer Gründungswelle von Baugenossenschaften. Heute sind noch immer ein Fünftel der Wohnungen im Westend Genossenschaftswohnungen.

 

Das „verpatzte Westend“

Der Name „Westend“ klingt zunächst einmal äußerst vielversprechend. Aus anderen Großstädten wie Frankfurt, Wiesbaden oder London kennt man das „Westend“ als Synonym für noble Wohngegenden mit herrschaftlichen Gründerzeitbauten und vornehmen Villen. Aufgrund der westlichen Winde waren diese Stadtteile in Zeiten der Industrialisierung von Rauch, Gestank und Abgasen der Fabriken verschont. Wer es sich leisten konnte, ließ sich daher sein standesgemäßes Haus im Westend bauen.

Mitten im Münchner Westend befanden sich jedoch bereits von Anfang Fabriken, die die Luft verpesteten. Besonders die Gummiwerke Metzeler, die Brauereien und die Dachpappenfabrik machten die Vermarktungspläne der Investoren mit ihrem Gestank zunichte. Theodor Fischer sprach in diesem Zusammenhang auch vom „verpatzten Westend“.

 

Rotes Westend,  Braunes Westend

Aufgrund seiner proletarischen Bevölkerungszusammensetzung als „Rotes Westend“ bezeichnet, kam es in den 1920er und 30er Jahren zu heftigen Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und Nazis. Während des Krieges waren über eintausend Zwangsarbeiter beschäftigt. Eines der größten Arbeits- und Kriegsgefangenenlager der Firma Metzeler befand sich in der Westendstraße 131/133.

In der NS-Zeit wurden größere Straßenbaumaßnahmen im Umfeld der Westendstraße durchgeführt und propagandamäßig verwertet wie der Ausbau der Donnersbergerbrücke, die Erweiterung der Trappentreustraße und der Landsberger Straße.

 

Umstrukturierung und Stadtteilsanierung

In den Nachkriegsjahren begann sich die Struktur des Westends grundlegend zu ändern: Viele Unternehmen mussten aufgrund der räumlichen Enge an die Stadtgrenzen ausweichen oder aus anderen Gründen schließen.

Die Substanz der Wohnhäuser war sehr schlecht. Ein Großteil der Wohnungen hatte keine eigenen Bäder, sondern Toiletten auf dem Flur und schlechte Heiz- und Dämmmöglichkeiten. Die umfassende die „Stadtteilsanierung Westend“ ersetzte störende Gewerbeeinheiten in den Hinterhöfen durch Wohnungen, Grünanlagen und Büros für Dienstleistungsunternehmen. Auf alten Fabrikgeländen entstanden Gewerbehöfe, dort konzentrieren sich heute kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe. Zwei Drittel der Unternehmen im Westend sind mittlerweile in der Dienstleistungsbranche tätig.

Die Augustinerbrauerei auf dem Gelände zwischen der Landsberger Alle und Westendstraße erinnert als letzte verblieben Brauerei an die industrielle Vergangenheit des Westends.

Einen großen Erfolg erzielten die Anwohner der Trappentreustraße mit ihrer Forderung, einen Tunnel zu errichten, um das Viertel vor dem Bau der geplanten siebenspurigen Hochstraße zu bewahren. Mit der Fertigstellung des aufwändigen Bauvorhabens Trappentreutunnel 1984 - über den die Westendstraße verläuft – wurde die Lebensqualität der Anwohner deutlich verbessert.

 

Auf der Straße nach Süden

Entlang der südlichen Westendstraße und deren Umfeld entstanden seit den 90er Jahren zahlreiche Büro- und Verwaltungsgebäude wie auch das Gebäude, das Stenger2 jetzt bezogen hat. In der Nähe befindet sich die ADAC Hauptverwaltung (Architekten sauerbruch hutton), der TÜV Süd und das Fraunhofer-Haus (Henn Architekten).

Im Süden der Westendstraße, unweit des Stenger2 Büros, geht es nun an die Planung für ein neues Wohngebiet mit 8,6 Hektar Fläche auf dem Gelände des ehemaligen Tramdepots bzw. des Busbetriebshofs der MVG an der Westendstraße/ Ecke Zschokkestraße. Da, wo einst die Sendlinger Haid‘ blühte und das Vieh weidete. Erste Planungen sollen 2017 vorliegen.

Die Kleingartenanlagen beiderseits des weiteren Verlaufs der Westendstraße gehören größtenteils der Bahn-Landwirtschaft, die die Flächen der Deutsche Bahn AG und des Bundeseisenbahnvermögens an Kleingärtner verpachtet und verwaltet. Wie lange diese Flächen noch dem Garteln gewidmet bleiben werden?

 

 

Franz Schiermeier: WESTEND. Reiseführer für Münchner, Franz Schiermeier Verlag München 2014

Winfried Nerdinger: Theodor Fischer. Architekt und Städtebauer 1862 - 1938, Berlin 1988

Landeshauptstadt München, Münchner Stadtmuseum, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Stadtarchiv München (Hg.): München wie geplant. Die Entwicklung der Stadt von 1158 bis 2008, München 2004