Ehemaliges Heizwerk Aubing 2017
Foto © Sascha Kletzsch

Zufahrt von Süden, KunstKraftWerk Aubing
Visualisierung © Stenger2 Architekten und Partner

Biergärten und Schänke im Süden, KunstKraftWerk Aubing
Visualisierung © Stenger2 Architekten und Partner

Foyer, Infopoint, Bistro und Restaurant Erdgeschoss, KunstKraftWerk Aubing
Visualisierung © Stenger2 Architekten und Partner


Kunstgalerie 2. Obergeschoss, KunstKraftWerk Aubing
Visualisierung © Stenger2 Architekten und Partner


Auditorium Erdgeschoss, KunstKraftWerk Aubing
Visualisierung © Stenger2 Architekten und Partner

Nutzungskonzept 3D-Schnitt, KunstKraftWerk Aubing
Plangrafik © Stenger2 Architekten und Partner

Grundriss Erdgeschoss, KunstKraftWerk Aubing
Plangrafik © Stenger2 Architekten und Partner

Erschließung und Gemengelage, KunstKraftWerk Aubing
Plangrafik © Stenger2 Architekten und Partner

Schwarzplan München, KunstKraftWerk Aubing
Plangrafik © Stenger2 Architekten und Partner

Vorstellung der Planungen zum KunstKraftWerk Aubing durch Christian Amberger (ALLGUTH GmbH) und Markus Stenger (Stenger2 Architekten und Partner) im Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied vom 21.02.2018
Fotos © Markus Huber
 

KunstKraftwerk Aubing

Die Pläne für den Umbau des ehemaligen Heizkraftwerks in Aubing zum Kunstkraftwerk präsentierten Markus Stenger (Stenger2 Architekten und Partner) und Bauherr Christian Amberger (ALLGUTH GmbH) vergangene Woche dem Bezirksausschuss Aubing. Pressevertreter waren ebenfalls anwesend.

Die Idee, das aus den 1940er Jahren stammende Gebäude zukünftig als Kultur- und Genusstempel für alle zugänglich zu machen, stieß auf großes Interesse und breite Zustimmung.

Presse:

"Die Kultur wird ins Werk gesetzt" von Ellen Draxel, Süddeutsche Zeitung vom 23.02.2018

"Ein Kulturtempel für den Westen" von Monika Wehrl-Herr, Münchner Merkur vom 23.02.2018

"Kunst statt Kohle" von Matthias Bieber, tz vom 23.02.2018

"Heißer Kulturtempel. Architekten stellen spektakuläre Pläne für ehemaliges Heizkraftwerk vor" von A. Schwarzbauer, Hallo München vom 28.02.2018

 

EIN ORT NEUER KUNST UND KULTUR IN MÜNCHEN

Die Unternehmer Christian und Michael Amberger möchten das ungewöhnliche Bauwerk zukünftig allen  kulturinteressierten Münchnern zugänglich machen. Sie planen mit den Architekten von Stenger2 den  Umbau des ehemaligen Aubinger Heizwerkes zur neuen Kunst- und Kulturdestination der Stadt. Die bisher leeren Räume des Gebäudebestands werden durch einen Neubau ergänzt und mit  Ausstellungsebenen, Flächen für Kreativagenturen, mit Experimentalräumen, einem Vorführsaal, Eventflächen und einer kulinarischen Erlebniswelt aus Bistro, Restaurant und Biergarten gefüllt. Ein Kultur- und KunstKraftWerk mit Strahlkraft über die Region hinaus wird entstehen, mit einem breiten Angebot an Veranstaltungen für Kunst- und Kulturinteressierte. Um den Kunstmarkt München zu beleben, wird auch unbekannteren Künstlern eine Bühne geboten und damit eine Brücke zu Kunstliebhabern geschlagen, die einen alternativen Zugang zu Orten des Kunsterwerbs suchen - abseits von klassischen Galerien und Kunstmessen. Die verschiedenen Nutzungen innerhalb des neuen  Kulturzentrums werden sich synergetisch verzahnen: zu Raum mit inspirierender Atmosphäre, um Kunst zu schaffen, auszustellen, zu genießen, zu erwerben und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Erhalt und die Bespielung des großen Zentralraums als Foyer ist Leitidee des Entwurfs. Die freie Bewegung des Besuchers im Raum, die Erkundung der Nutzungsvielfalt und der Genuss mit allen Sinnen in einem Gebäude, das bisher „nur“ starres Monument mit Monofunktion und danach Ruine war, ist dabei das aufregend Neue.

Das umgebende Gewerbegebiet in Aubing ist zum Teil von Leerstand und baulichem Verfall geprägt. Wer den Ort besucht, wähnt sich trotz der Nähe zur Stadt und zum Stadtteil in der Peripherie. Aber gerade in diesem Kontext steckt großes Potential. In enger Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt und der Lokalbaukommission wird das neue KunstKraftWerk das Umfeld sozial und wirtschaftlich aufwerten, neu beleben und damit eine tiefgreifende Veränderung im Münchner Westen in Gang setzen. 

Im Herbst 2017 wurde das Heizwerk bereits temporär zum Kulturtempel: Fünf Tage lang bespielte der Münchner Musiktheatermacher Mathis Nitschke mit überwältigendem Erfolg das Gebäude mit der „Mixed-Reality-Techno-Oper“ Maya. Zum Jahresanfang 2018 verlegte das Bayrische Fernsehen für einen Beitrag zum „Faustjahr“ Szenen aus Faust II in die faszinierenden Räume des ehemaligen Heizwerks.

Nach 30 Jahren Leerstand verdient dieser Ort, dass die Kunst aus dem Schatten von subculture und underground endlich ans Licht tritt. 

 

HISTORISCHER HINTERGRUND

Das Heizkraftwerk in Aubing wurde nach dem Entwurf der Sonderbaubehörde und Reichsbahndirektion München 1937 geplant und in den Jahren 1940-42 als Teil des überdimensionierten Projekts einer sogenannten Ost-West-Achse, der Umgestaltung der Bahnanlagen mit Verlegung des Münchner Hauptbahnhofs nach Laim, begonnen. Der kubische Baukörper präsentiert sich als Industriebau aus roten Mauerziegeln, eingefasst von starken Architekturelementen aus Nagelfluh, wie Sockel und Traufgesims, die ihre Formensprache der Antike entlehnen. Die Verwendung von in Serie produzierten Ziegeln, die stark dimensionierte Stahlbeton-Tragstruktur und die fast typisiert anmutenden Fenstereinfassungen aus Nagelfluh zeigen an diesem Industriebau aber auch den unübersehbaren Einfluss der Moderne. 

Folgerichtig fasst die Untere Denkmalschutzbehörde 2007 die Begründung der Denkmaleigenschaft an  diesem Bau wie folgt zusammen:

Der stattliche, eindrucksvolle Bau ist ein charakteristisches Beispiel für die Architekturauffassung in Deutschland Mitte des 20. Jahrhunderts, die dem Industriebau eine sachliche und funktionale Architektursprache einräumt, dabei aber trotzdem eine monumentale Wirkung erzielt.


Die Bauarbeiten am Heizwerk blieben durch die Kriegsauswirkungen unvollendet. Nur drei Seiten wurden bis Kriegsende fertiggestellt, das Dach wurde nicht realisiert, ein geplantes angrenzendes Trafohaus blieb Fragment. Erst Mitte der 1950er Jahre wurde das Heizwerk durch die Bahn mit einfachen Baumaßnahmen nutzbar gemacht: Schornsteine, drei Heizkessel, einfache Holzfenster und ein ausgemagertes Schutzdach wurden ergänzt, eine Seite, ursprünglich als Innenwand geplant und nur mit Stützen errichtet, wurde notdürftig ausgemauert. 

Nach einigen Jahren, in denen es zur Wärmeversorgung auch des Münchner Hauptbahnhofs diente, erfolgte schließlich 1988 die Stilllegung des Heizwerks. In den darauffolgenden Jahren wurde es zu einem „Lost Place“, Ziel von Fotoabenteurern, Ruinenliebhabern und Ort suburbaner Jugendkultur. Mit einer Höhe von 25 m ragt es bis heute monumental über die niedrig bebaute, heterogene Nachbarschaft aus Wohn- und Gewerbebauten heraus.

Das Münchner Familienunternehmen ALLGUTH GmbH erwarb das Heizwerk 2005 von der damaligen Bahngesellschaft Vivico. Nach ersten Erwägungen, den ALLGUTH-Firmensitz im Heizwerk zu errichten oder dort eine Interimsspielstätte der Münchener Philharmoniker als Ausweichquartier für die Zeit des Gasteig-Umbaus zu errichten, steht nun fest: Das Thema Kunst und Kultur in seiner ganzen Vielfalt setzt sich durch und wird in das historische Gebäude Einzug halten.